Die Familien der Initiative

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Familie Magagna:

Familie Magagna
Familie Magagna

Ich bin alleinerziehende Mutter von drei Kindern (ein Mädchen von 17 Jahren, ein Junge von 14 Jahren und ein Junge von 8 Jahren) und wir wohnen bei Mödling, in der Nähe einer Bundeseinrichtung für minderjährige Flüchtlinge. Ich habe im Sommer 2015 beschlossen, der Flüchtlingswelle nicht tatenlos zuzusehen. Nachdem ich einige Male in Traiskirchen war, hatte mich ein junger Afghane angesprochen, ob ich für ihn eine Schule finden könnte. Es gelang, für ihn einen Platz bei der privaten Emma Plank Schule zu bekommen, nachdem sich viele Eltern bereit erklärt hatten, einen Beitrag für ihn zu zahlen. Als klar wurde, dass er von der Bundes- in die Landesbetreuung transferiert werden sollte und nicht sicher gestellt werden konnte, dass er im Raum Mödling eine Unterbringung bekommen würde, beschloss ich, ihn im Dezember 2015 in meine Familie als Pflegekind aufzunehmen. Meine Kinder haben das ganz unterschiedlich aufgenommen und zeitweise war es eine große Herausforderung. Nach seinem 18. Geburtstag und nach Erhalt des subsidiären Schutzes ist er vor kurzem nach Wien gezogen, wo er einen Platz in einer Pflichtschulabschlussklasse bekommen hat. Insgesamt war es eine Bereicherung für mich und die Kinder, wir haben viel gelernt und sicherlich auch unser Schützling, für den ich mich nach wie vor einsetze und einsetzen werde.

Seit Oktober 2016 ist dann auch Noor Ahmad zu uns gezogen, der durch seine gewinnende Art wirklich Teil unserer Familie geworden ist. Seit seinem 18. Geburtstag, Anfang 2017, wohnt er hauptsächlich bei meinem Lebensgefährten, da er wegen seiner außerordentlichen sportlichen Begabung in einem Sportverein aufgenommen wurde. Er verbringt allerdings alle Wochenenden und fallweise auch Wochentage bei uns. Gemeinsam sind wir jetzt zu sechst und haben viel Spass miteinander. Regelmäßig stößt auch die erwachsene Tochter meines Freundes zu uns und dann sind wir echt viele. Noori teilt jetzt das Zimmer mit meinem mittleren Sohn, den er auch regelmäßig im Tischtennis herausfordert. Mein Kleinster liebt seinen neuen ältesten Bruder sehr und selbst meine Tochter hat ihn mittlerweile ins Herz geschlossen. Wir haben auch einen großen Hund, was für Noor Ahmad am Anfang echt schwierig war, weil für ihn als Moslem ein Hund als unrein gilt. Nun geht er aber regelmäßig mit ihm spazieren und hat dabei einfach Handschuhe an. Er ist vor zwei Jahren noch als Analphabet nach Österreich gekommen, da er in Afghanistan nicht in die Schule durfte, sondern immer arbeiten musste. Nun holt er seine 'Kindheit' so gut es geht etwas nach, geht zur Zeit in die HAK Baden in eine Übergangsklasse und wenn neben dem Lernen noch Zeit überbleibt geht er gerne im Wald laufen. Zum Glück hat auch er subsidiären Schutz bekommen und kann sich in diesem Jahr wirklich auf seine Integration und Bildung konzentieren. Das Schönste an unserem neuen Familienmitglied ist, dass er so offen über seine Gefühle und Schwierigkeiten reden kann und gleichzeitig so neugierig ist auf das Leben hier in Österreich, dass wir fast vergessen haben, wie schüchtern und zurückhaltend er noch vor einem Jahr war. Er fühlt sich nun wirklich angekommen und darf endlich sein.

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