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Familie Radlinger

Wir sind ein bescheiden lebendes, christliches Ehepaar, 62, bestehend aus Nenita, Hausfrau, und Walter, früher Landesbediensteter, Sozialarbeiter, Radiojournalist, bis dato Nachhilfelehrer in E und D. 35 Jahre verheiratet, sind wir Eltern zweier erwachsener Kinder.

Seit 2003 haben mittlerweile vier unbegleitete minderjährige Fremde aus Sri Lanka, Nigeria und Afghanistan nacheinander in unserer Obsorge oder Pflegschaft gelebt. Parallel dazu sind vier Patensöhne aus Somalia, Kosovo, Afghanistan und Syrien gekommen. Mit heimatlos gewordenen Jugendlichen Familie zu teilen und Bezugspersonen zu werden, hat uns immer mit Freude erfüllt, weil wir die selbst gesetzten Ziele weitgehend erreicht haben:

  • bedarfsgerechte emotionale Bereicherung eines jungen Fremden durch Anschluss an eine verständnisvolle österreichische Familie
  • Erlernung des richtigen Umgangs mit im Herkunftsland unbekannten und daher neuen Freiheiten
  • rasche Integration durch konsequenten Erwerb deutscher Sprachkenntnisse
  • Gewöhnung an europäische Werte und rechtsstaatliche Ordnung
  • selbständiger Umgang mit Behörden und Ärzten, Hilfe beim Mittelschulabschluss
  • Selbständigkeit durch Findung von Lehrstelle oder Job und eigener Wohnung


Obwohl unsere Pflege- und Patensöhne als mittlerweile Erwachsene nur mehr niederschwelliger Unterstützung bedürfen und teilweise selbst bereits Familie gegründet haben, bestehen zu ihrer Mehrzahl tägliche bis wöchentliche Kontakte. Dennoch macht jeder sein eigenes Ding, und so hatten wir 2015 wieder freie "Kapazitäten". Wir freuten uns auf einen Pflegesohn mit spannenden Erlebnissen und frischen Themen. Unser Profit: das Engagement für eine hilfs- und schutzbedürftige Person ist uns reiferem Ehepaar stets ein gemeinsames Anliegen gewesen, das uns in vielerlei Hinsicht mobilisiert und verbindet.

Seit November 2015 scheinen wir auf der Evidenzliste des Landes NÖ., Kinder- und Jugendhilfe, umF-Koordinierung, als Familie auf, die einen mj. Asylwerber zur Versorgung bei Privatpersonen in ihren Haushalt aufnehmen kann. Im Hinblick auf unsere langjährige Erfahrung mit unbegleiteten minderjährigen Fremden unterschiedlicher Herkunft und Religionen arrangierte die KJH NÖ. Im März 2016 ein Treffen mit N., 14, aus Afghanistan. Nach einer erfüllten Anbahnungs- und Probezeit von fünf Wochen fiel eine gemeinsame Entscheidung zur Übernahme des Burschen als Pflegesohn.

Anfangs zurückhaltend, ließ der elternlose Junge bald großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Bedeutung, Angenommensein, Zuwendung und Geborgenheit erkennen, ohne aufdringlich oder materiell interessiert gewesen zu sein. Inzwischen ist der dezidiert Familienstruktur schätzende Jugendliche zweifellos "angekommen", hat sich bei uns gut eingewöhnt und ist leicht zu führen. Er scheint gerne bei uns zu leben. Allseits erbrachte Investition von Zeit, Geduld und Gefühl haben ein Klima harmonischen Miteinanders geschaffen. Es ermöglicht weitreichendes Eingehen und Abstimmen aufeinander. N. hat sich seit seinem Transfer zu uns mental geöffnet. Er ist aus sich gegangen, vielseitig interessiert, mit uns überall dabei, redet mit, teilt, vermag Emotionen zu verbalisieren. Sprachkompetenz, Allgemeinwissen, Bildungswille, Sichtweisen, Frauenbild, Empathie, Schätzung des neuen Heimatlandes und dessen Schulsystems, Anerkenntnis hiesiger Werte und Rechtsstaatlichkeit und absolute Distanzierung von Parallelgesellschaften sind positiv hervorzuheben.

Wir sehen eine Chance zu Integration, Stabilisierung und Förderung des Burschen, wie sie wohl nur in wenigen Flüchtlingsbetreuungseinrichtungen bestehen dürfte. Er sieht Gelegenheit zu Neuorientierung und fasst Mut zu vernünftiger Zukunftsplanung, wofür er unbedingt nahestehender Bezugspersonen bedarf. Die 4. Klasse der hiesigen Mittelschule hat ihn gut aufgenommen. Der ordentliche Schüler gilt als ehrgeizig und motiviert, was sich in regelmäßigem Schulbesuch, vorwiegend selbständiger Erledigung von Hausübungen und zufriedenstellenden Testergebnissen widerspiegelt. Schulleiter und Lehrer äußern sich vorbehaltlos lobend. N. erhielt im März die Zuweisung eines ordentlichen Schulplatzes in einer berufsbildenden höheren Schule und fand vor kurzem eine ordentliche Lehrstelle mit Maturaoption. Nun hat er die zweifellos erfreuliche Qual der Wahl….

Aus heutiger Sicht werden wir N. bis weit über das 18. Lebensjahr hinaus begleiten und ihm auch nach Entlassung in die Selbständigkeit zur Seite stehen, wann und wo immer er uns braucht.

Die Familie wächst - mehr Homestories folgen.."

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