Lerne die Familien kennen

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Die Familien der Initiative im Kurzportrait.
Kurze Geschichten und Erfahrungen aus dem täglichen Miteinander.


Familie Eichberger

Familie Eichberger
Familie Eichberger
Noor Ahmad wohnt seit seinem 18. Geburtstag bei mir zu Hause. Davor war er als sogenannter unbegleiteter minderjähriger Flüchtling m Haus meiner Freundin (von uns liebevoll Wuselhausen genannt) in einer Familie mit 3 Kindern, sowie einer Menge verschiedenster Haustiere  untergebracht.  Wir führen einen reinen "Männerhaushalt". Daher kehren wir gerne regelmässig nach Wuselhausen zurück (wo das Essen meist besser ist ;-). Der Umzug für den Moment ist vor allem der leichteren Erreichbarkeit seiner Schule und dem Trainingsort für sein sportliches Hobby der Leichtathletik geschuldet. Meine Eltern, die in der Nachbarschaft wohnen, unterstützen ihn ebenfalls bei Fragen zur Schule oder im täglichen Leben.

Sehr gut beschreibt ein Muttertagsgedicht unsere Familie, das gemeinsam von Noor Ahmad und meiner Tochter für die Gastmutter geschrieben wurde:

Was bedeutet es eine Familie zu sein,
die alle inkludiert, ob Groß oder Klein?
Ist eine Familie die Summe aller Gene,
oder doch das Gemeinsame und Nähe?

Wenn man uns sieht, dann fällt gleich auf,
nicht alle von uns kommen aus einem Haus.
Nicht nur bei der Sprache ist sofort zu bemerken,
dass jeder von uns hat seine individuellen Stärken.

Trotz all der Unterschiede sind wir eine Einheit,
und sind für alle Schandtaten allzeit stets bereit.
Denn auch wenn es die Genetik ist, die uns teilt,
ist es unsere Fürsorge und Liebe die uns vereint.

In diesem Sinne wollen wir dir heute nur sagen:
Danke für deine Zuversicht auch an grauen Tagen.
Wir wünschen dir heute ganz besonders viele schöne Stunden,
und danken dir, dass du den Weg in unser Leben hast gefunden.

    

Familie Flachberger:

Familie Flachberger
Familie Flachberger

"I am sixteen - what I need is a familiy!"

Diese Worte aus dem Mund eines sechzehnjährigen Burschen haben uns bewegt, unser Haus und unsere Familie zu öffnen. Seit Februar 2016 leben nun Mohammad und Ebrar bei uns gemeinsam mit unseren drei Kindern Johannes (16), Jakob (19) und Hannah (21).

Wir haben gesehen, wie heimatlos und entwurzelt unbegleitete Minderjährige sind, die bei uns in Österreich ankommen. Sie werden als Nummer registriert und von Lager zu Lager geschoben: Von Traiskirchen in eine aufgelassene Baumaxhalle am Ortsrand in Leoben und weiter in ein aufgelassenes Hotel am Semmering usw. Immer wieder werden Sie von ihren Freunden getrennt. Zur gleichen Zeit hat Papst Franziskus das "Jahr der Barmherzigkeit" ausgerufen. Für uns war klar: Jetzt geht es darum, zu handeln und nicht bloß zu reden.

Für uns als Familie war dieser Schritt natürlich mit Gefühlen der Unsicherheit und mit verschiedenen Ängsten verbunden. Kurz nachdem Ebrar und Mohammad bei uns eingezogen waren, kam im Gespräch die Erkenntnis: Auch unsere Gastkinder haben Unsicherheiten und Ängste - und zwar größere als wir. Die erste positive Erfahrung für uns: Wenn es gelingt, Ängste zu überwinden, kann Vertrauen und Beziehung entstehen. Und dafür braucht es am Anfang ein bisschen Mut.

Nun sind Mohammand und Ebrar seit mehr als einem Jahr bei uns, haben Deutsch gelernt und viel über das Leben in Österreich erfahren. Sie gehen in die Schule (wenn auch mit Schwierigkeiten) und wir führen oft lange und interessante Gespräche über Gott und die Welt, über Diktatur und Demokratie, über Recht und Gerechtigkeit, Gleichberechtigung und viele andere Themen, die uns heute bewegen.

Wir sehen das sehr positiv und trotzdem ist damit die Integration noch lange nicht abgeschlossen. Mohammed und Ebrar müssen Ihren Weg erst finden: Noch ist nicht klar, ob sie bleiben dürfen, noch gibt es viel zu viele Misserfolge in der Schule. So können wir heute sagen: Integration erfordert Zuwendung und Mühe. Wir glauben, dass es diese Mühe wert ist - und - wo kann diese besser geschehen, als in einer Familie?

Martina und Christian Flachberger


Familie Heiderer

Im Sommer 2015 haben wir unseren Taib (jetzt 17 Jahre alt) kennen gelernt, damals haben wir nicht gedacht, dass er später einmal unser Pflegesohn/bruder und ein wichtiges Familienmitglied werden wird.
Anfänglich haben wir viel Zeit bei den ortsansässigen Flüchtlingen verbracht. Wir haben mit ihnen Deutsch gelernt und ihnen geholfen. Schon nach kurzer Zeit haben wir bemerkt, dass Taib ein freundlicher junger Bursche ist. Damals war er mit seinem Cousin in Österreich. Die gemeinsame Zeit wurde immer mehr, er machte brav seine Hausübungen, machte große Lernfortschritte und besuchte uns öfter.
Schon nach kurzer Zeit war unsere Mutter auch eine „Mama“ für ihn, sie wurde seine Vertrauensperson, immer mehr schloss er auch zu meinem Vater Vertrauen und er war nun wöchentlich bei uns. Dann allerdings der Schock, sein Cousin und Erziehungsberechtigter bekam einen negativen Bescheid, er beschloss das Land zu verlassen, da er zu viel Angst hatte, abgeschoben zu werden. Das war sehr traurig, denn jetzt war Taib ganz alleine hier. Nun sollte Taib in eine Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge übersiedeln und aus seinem vertrauten Umfeld und Freundeskreis herausgerissen werden.
Meine Eltern haben schnell gehandelt und wir haben beschlossen Taibs Zufluchtsort und Familie zu werden. Mein Vater sieht es inzwischen sehr positiv, dass er einen Pflegesohn bekommen hat, denn meine Schwester(26) und mich (19) konnte man nicht wirklich für handwerkliche Arbeiten begeistern und Taib ist ein fleißiger Helfer  im Haushalt, Garten usw. Natürlich kommt er bei Fragen oder Geheimnissen zu seinen Schwestern, die immer ein offenes Ohr für ihn haben.
Nun ist Taib ein wichtiger Teil unserer Familie geworden, manchmal wäre es so, als ob er immer schon bei uns gewesen wäre, er ist definitiv nicht mehr wegzudenken und gehört jetzt zu uns.


Familie Kumpf-Rottleuthner:

Wir wohnen in Gaaden bei Mödling und haben einen 14-jährigen Sohn namens Tim.

Imat ist am 1.1. 2017 18 Jahre alt geworden und wohnt seit April 2016 bei uns. Er besucht seit September 2016 die erste Klasse der vierjährigen Fachschule für Elektrotechnik in der HTL Mödling und er schlägt sich überraschend gut. Er hat gute Chancen in die zweite Klasse aufzusteigen, was eine echte Sensation wäre, wenn man weiß, dass er erst seit zwei Jahren in Österreich ist und damals kein Wort Englisch und Deutsch konnte. Er bemüht sich wirklich sehr, lernt ununterbrochen und hat sich ein schönes Netzwerk an Bekannten und Freunden um unsere Familie aufgebaut. Er hat Menschen, die mit ihm lernen, Sport machen und über die er sich in die österreichische Gesellschaft einfinden kann. Zum Beispiel hat er letztes Jahr an einer Initiative des Mödlinger Freibads teilgenommen, wo afghanische Jugendliche die Bademeister unterstützen und ausgleichend wirken können, wenn es zu Missverständnissen kommt. Das wird er dieses Jahr im Sommer wieder machen.

Er hilft im Haushalt mit und ist überhaupt sehr hilfsbereit. Auch in unserer Nachbarschaft hat er sich gut eingelebt.

Imat:
Seit einem Jahr wohne ich hier. Ich fühle mich hier wohl. Ich habe mich jetzt an sie gewöhnt. Ich mag meine Familie. Sie sind wirklich nett und verständnisvoll. Ich mag den Tim und mache immer mit ihm Scherze.

Tim:
Der Imat ist eine sehr nette Person, er hilft viel im Haushalt und es ist immer echt lustig. Zum Beispiel spielen wir sehr oft mit einem Katzenspielzeug Fußball und probieren uns eine Wurzen zu schieben. Er hat auch einen sehr netten Freund, der oft zu uns kommt, den Noor Ahmad. Er hat letztens für uns gekocht und das hat echt gut geschmeckt, aber es war unfassbar scharf. Es wäre echt schade, wenn er nicht mehr bei uns wohnen würde.

Martina:
Bei unserem Treffen im Februar letztes Jahr habe ich nach einer Stunde gewusst, dass Imat zu uns passt. Und als Tim dann am selben Abend gesagt hat „Jetzt habe ich auch einen Bruder“, war alles besprochen. Imat und ich haben gute und nicht so gute Zeiten. Das Wichtigste ist: Wir können über alles reden. Das „Unter einem Dach Leben“ wird immer einfacher und schöner.

Heinz:
Ich mag Imat und ich bin sehr froh, dass er da ist. Er ist ein großer Bruder für Tim und die beiden haben wirklich viel Spaß. Alle Familienmitglieder werden durch seine Anwesenheit zu einer anderen Aufmerksamkeit aufgefordert, weil sich in vielen Lebensbereichen – vom Essen bis zur Religion - auswirkt, dass er von so weit her kommt. Für mich ist es sehr spannend, sehr schön und auch intensiv und anstrengend mich darauf einzulassen. Ich bewundere Imats Zielstrebigkeit und Konsequenz in der Schule, beim Deutschlernen, beim Sport, dass er so schnell verstanden hat seine Möglichkeiten hier zu nutzen und ich bin mir nicht sicher, ob ich das mit seiner Geschichte auch so könnte.


Familie Magagna:

Familie Magagna
Familie Magagna

Ich bin alleinerziehende Mutter von drei Kindern (ein Mädchen von 17 Jahren, ein Junge von 14 Jahren und ein Junge von 8 Jahren) und wir wohnen bei Mödling, in der Nähe einer Bundeseinrichtung für minderjährige Flüchtlinge. Ich habe im Sommer 2015 beschlossen, der Flüchtlingswelle nicht tatenlos zuzusehen. Nachdem ich einige Male in Traiskirchen war, hatte mich ein junger Afghane angesprochen, ob ich für ihn eine Schule finden könnte. Es gelang, für ihn einen Platz bei der privaten Emma Plank Schule zu bekommen, nachdem sich viele Eltern bereit erklärt hatten, einen Beitrag für ihn zu zahlen. Als klar wurde, dass er von der Bundes- in die Landesbetreuung transferiert werden sollte und nicht sicher gestellt werden konnte, dass er im Raum Mödling eine Unterbringung bekommen würde, beschloss ich, ihn im Dezember 2015 in meine Familie als Pflegekind aufzunehmen. Meine Kinder haben das ganz unterschiedlich aufgenommen und zeitweise war es eine große Herausforderung. Nach seinem 18. Geburtstag und nach Erhalt des subsidiären Schutzes ist er vor kurzem nach Wien gezogen, wo er einen Platz in einer Pflichtschulabschlussklasse bekommen hat. Insgesamt war es eine Bereicherung für mich und die Kinder, wir haben viel gelernt und sicherlich auch unser Schützling, für den ich mich nach wie vor einsetze und einsetzen werde.

Seit Oktober 2016 ist dann auch Noor Ahmad zu uns gezogen, der durch seine gewinnende Art wirklich Teil unserer Familie geworden ist. Seit seinem 18. Geburtstag, Anfang 2017, wohnt er hauptsächlich bei meinem Lebensgefährten, da er wegen seiner außerordentlichen sportlichen Begabung in einem Sportverein aufgenommen wurde. Er verbringt allerdings alle Wochenenden und fallweise auch Wochentage bei uns. Gemeinsam sind wir jetzt zu sechst und haben viel Spass miteinander. Regelmäßig stößt auch die erwachsene Tochter meines Freundes zu uns und dann sind wir echt viele. Noori teilt jetzt das Zimmer mit meinem mittleren Sohn, den er auch regelmäßig im Tischtennis herausfordert. Mein Kleinster liebt seinen neuen ältesten Bruder sehr und selbst meine Tochter hat ihn mittlerweile ins Herz geschlossen. Wir haben auch einen großen Hund, was für Noor Ahmad am Anfang echt schwierig war, weil für ihn als Moslem ein Hund als unrein gilt. Nun geht er aber regelmäßig mit ihm spazieren und hat dabei einfach Handschuhe an. Er ist vor zwei Jahren noch als Analphabet nach Österreich gekommen, da er in Afghanistan nicht in die Schule durfte, sondern immer arbeiten musste. Nun holt er seine 'Kindheit' so gut es geht etwas nach, geht zur Zeit in die HAK Baden in eine Übergangsklasse und wenn neben dem Lernen noch Zeit überbleibt geht er gerne im Wald laufen. Zum Glück hat auch er subsidiären Schutz bekommen und kann sich in diesem Jahr wirklich auf seine Integration und Bildung konzentieren. Das Schönste an unserem neuen Familienmitglied ist, dass er so offen über seine Gefühle und Schwierigkeiten reden kann und gleichzeitig so neugierig ist auf das Leben hier in Österreich, dass wir fast vergessen haben, wie schüchtern und zurückhaltend er noch vor einem Jahr war. Er fühlt sich nun wirklich angekommen und darf endlich sein.


Familie Pavelka:

Im Rahmen meines Einsatzes als Ärztin im Übergangslager in Wiesen bin ich in Kontakt mit Mustafa, einen 23 jährigen Syrer, gekommen. Er hat dort für mich gedolmetscht, obwohl er in den 1 ½ Jahren Wartezeit auf sein Interview keinen Zugang zu einem Deutschkurs hatte. Es folgten viele Stunden, in denen Mustafa mir über den Krieg, die Flucht, seine Zeit in Österreich erzählt hat, ich ihn bei der Wohnungssuche begleitet oder bei sonstigen bürokratischen Hürden unterstützt habe. Aus einer Bekanntschaft ist eine Freundschaft geworden. Mittlerweile arbeitet Mustafa seit fast einem Jahr bei der Caritas und ist einem Netzwerk von österreichischen Freunden eingebettet.
Das Treffen mit Mustafa im Herbst 2015 hat mich motiviert, noch weitere geflüchtete Jugendliche zu unterstützen. Da ich in meiner Wohnung einen leer stehenden Raum hatte, beschloss ich diesen, auf der Plattform „Willkommen Flüchtling Österreich“ anzubieten – 4 Wochen später, im November 2015, ist Abi, ein afghanischer Flüchtling, bei mir eingezogen. Abis großer Bedarf an Geborgenheit, Sicherheit und Unterstützung einer Familie, aber auch seine Wertschätzung dafür, bestätigen mich täglich aufs Neue, dass es die richtige Entscheidung war, ihn bei mir, wie einen Sohn aufzunehmen. Abi ist durch seine aufgeschlossene Art und sein hilfsbereites Wesen binnen kurzer Zeit fixer Bestandteil meiner Familie und meines Freundeskreis geworden und aus meinem Leben und dem meiner Familie nicht mehr wegzudenken.
Mittlerweile ist Abi volljährig, hat durch seine unglaubliche Lernmotivation den Pflichtschulabschluss im November 2016 ausgezeichnet geschafft und besucht C1 Kurse, um sich auf den Einstieg in den Erwachsenenlehrgang EDV an der HTL Spengergasse im Herbst vorzubereiten.

Mit Abi und Mustafa sind noch 4 weitere geflüchtete Burschen in unterschiedlichem Alter zu mir gestoßen, und ich erlebe täglich aufs Neue, wie wichtig der Kontakt der Jugendlichen zu österreichischen Familien für die Integration ist – kaum anders wo ist es so einfach für sie, westliche Werte und die österreichische Kultur zu erleben und kennenzulernen, als im Alltagsleben einer Familie.


Familie Pemmer:

Mein Zuhause und das von Ali ist in Mödling, der seit Februar 2016 bei mir wohnt. Ich habe Ali als unterstützende Lernpatin kennengelernt, als er im Herbst 2015 in der Übergangsklasse in der HTL anfangen durfte. Schon nach kurzer Zeit war klar, das ich mich dauerhaft um ihn kümmern wollte und habe Ali im Februar 2016 als Pflegekind aufgenommen. Zu Beginn des Zusammenwohnens war es für mich als Frau nicht so leicht akzeptiert zu werden. Aber wir diskutierten und sprachen viel über die verschiedenen Kulturen und so verbesserte sich unser Zusammenleben und das gegenseitige Verständnis. Die Schule war eine Herausforderung und schwer zu bewältigen. Im Herbst 2016 wurde Ali 18 und er entschloss sich den Pflichtschulabschluss zu machen. Diese Entscheidung war sicher richtig, da es ihm in diesem Schuljahr viel besser geht. Im Herbst 2017 wird er eine Lehre in einem technischen Bereich beginnen.

Wir verstehen uns sehr gut und er wird geliebt wie ein Sohn und ich wie eine Mutter. Wir haben viel Spaß zusammen, machen gerne Ausflüge, Kochen und Essen gerne gemeinsam. Ali ist sehr aufgeschlossen und fröhlich, aber auch sehr sensibel und hat großen Bedarf an Zuwendung, Aufmerksamkeit und Geborgenheit. Er hat viele Freunde gefunden, mit denen er seine Unternehmungslust teilen kann, und ist neugierig auf das Leben. Im März hat er subsidiären Schutz bekommen und seither hat er viele Pläne für die Zukunft und es ist schön, dass ich ihn weiterhin auf seinem Weg begleiten und unterstützen darf.


Familie Radlinger

Wir sind ein bescheiden lebendes, christliches Ehepaar, 62, bestehend aus Nenita, Hausfrau, und Walter, früher Landesbediensteter, Sozialarbeiter, Radiojournalist, bis dato Nachhilfelehrer in E und D. 35 Jahre verheiratet, sind wir Eltern zweier erwachsener Kinder.

Seit 2003 haben mittlerweile vier unbegleitete minderjährige Fremde aus Sri Lanka, Nigeria und Afghanistan nacheinander in unserer Obsorge oder Pflegschaft gelebt. Parallel dazu sind vier Patensöhne aus Somalia, Kosovo, Afghanistan und Syrien gekommen. Mit heimatlos gewordenen Jugendlichen Familie zu teilen und Bezugspersonen zu werden, hat uns immer mit Freude erfüllt, weil wir die selbst gesetzten Ziele weitgehend erreicht haben:

  • bedarfsgerechte emotionale Bereicherung eines jungen Fremden durch Anschluss an eine verständnisvolle österreichische Familie
  • Erlernung des richtigen Umgangs mit im Herkunftsland unbekannten und daher neuen Freiheiten
  • rasche Integration durch konsequenten Erwerb deutscher Sprachkenntnisse
  • Gewöhnung an europäische Werte und rechtsstaatliche Ordnung
  • selbständiger Umgang mit Behörden und Ärzten, Hilfe beim Mittelschulabschluss
  • Selbständigkeit durch Findung von Lehrstelle oder Job und eigener Wohnung


Obwohl unsere Pflege- und Patensöhne als mittlerweile Erwachsene nur mehr niederschwelliger Unterstützung bedürfen und teilweise selbst bereits Familie gegründet haben, bestehen zu ihrer Mehrzahl tägliche bis wöchentliche Kontakte. Dennoch macht jeder sein eigenes Ding, und so hatten wir 2015 wieder freie "Kapazitäten". Wir freuten uns auf einen Pflegesohn mit spannenden Erlebnissen und frischen Themen. Unser Profit: das Engagement für eine hilfs- und schutzbedürftige Person ist uns reiferem Ehepaar stets ein gemeinsames Anliegen gewesen, das uns in vielerlei Hinsicht mobilisiert und verbindet.

Seit November 2015 scheinen wir auf der Evidenzliste des Landes NÖ., Kinder- und Jugendhilfe, umF-Koordinierung, als Familie auf, die einen mj. Asylwerber zur Versorgung bei Privatpersonen in ihren Haushalt aufnehmen kann. Im Hinblick auf unsere langjährige Erfahrung mit unbegleiteten minderjährigen Fremden unterschiedlicher Herkunft und Religionen arrangierte die KJH NÖ. Im März 2016 ein Treffen mit N., 14, aus Afghanistan. Nach einer erfüllten Anbahnungs- und Probezeit von fünf Wochen fiel eine gemeinsame Entscheidung zur Übernahme des Burschen als Pflegesohn.

Anfangs zurückhaltend, ließ der elternlose Junge bald großes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, Freundlichkeit, Bedeutung, Angenommensein, Zuwendung und Geborgenheit erkennen, ohne aufdringlich oder materiell interessiert gewesen zu sein. Inzwischen ist der dezidiert Familienstruktur schätzende Jugendliche zweifellos "angekommen", hat sich bei uns gut eingewöhnt und ist leicht zu führen. Er scheint gerne bei uns zu leben. Allseits erbrachte Investition von Zeit, Geduld und Gefühl haben ein Klima harmonischen Miteinanders geschaffen. Es ermöglicht weitreichendes Eingehen und Abstimmen aufeinander. N. hat sich seit seinem Transfer zu uns mental geöffnet. Er ist aus sich gegangen, vielseitig interessiert, mit uns überall dabei, redet mit, teilt, vermag Emotionen zu verbalisieren. Sprachkompetenz, Allgemeinwissen, Bildungswille, Sichtweisen, Frauenbild, Empathie, Schätzung des neuen Heimatlandes und dessen Schulsystems, Anerkenntnis hiesiger Werte und Rechtsstaatlichkeit und absolute Distanzierung von Parallelgesellschaften sind positiv hervorzuheben.

Wir sehen eine Chance zu Integration, Stabilisierung und Förderung des Burschen, wie sie wohl nur in wenigen Flüchtlingsbetreuungseinrichtungen bestehen dürfte. Er sieht Gelegenheit zu Neuorientierung und fasst Mut zu vernünftiger Zukunftsplanung, wofür er unbedingt nahestehender Bezugspersonen bedarf. Die 4. Klasse der hiesigen Mittelschule hat ihn gut aufgenommen. Der ordentliche Schüler gilt als ehrgeizig und motiviert, was sich in regelmäßigem Schulbesuch, vorwiegend selbständiger Erledigung von Hausübungen und zufriedenstellenden Testergebnissen widerspiegelt. Schulleiter und Lehrer äußern sich vorbehaltlos lobend. N. erhielt im März die Zuweisung eines ordentlichen Schulplatzes in einer berufsbildenden höheren Schule und fand vor kurzem eine ordentliche Lehrstelle mit Maturaoption. Nun hat er die zweifellos erfreuliche Qual der Wahl….

Aus heutiger Sicht werden wir N. bis weit über das 18. Lebensjahr hinaus begleiten und ihm auch nach Entlassung in die Selbständigkeit zur Seite stehen, wann und wo immer er uns braucht.

Die Familie wächst - mehr Homestories folgen.."

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